Telekommunizieren in Shangri-La

November 22nd, 2009 § Leave a Comment

Neid-Komplexe gibt es selbst im Paradies. Eine Studentin verbreitet seit Tagen begeisterte Twitter-Botschaften über ihr neues Handy, ein von den Kritikern hämisch verrissenes Gerät namens Droid. “Ein klarer Fall von iPhone-Neid”, sagt eine Kollegin, die selbst unter dieser lokalen Krankheit leidet.

iPhone envy by magerleagues CC BY-SA 2.0

Auch wenn geschäftstüchtige Internauten das Gegenteil versichern — in Missoula gibt es kein iPhone, weil der Exklusivanbieter AT&T in Montana kein Netz hat. Ich fand das heraus, als ich anfing, mich nach der günstigsten Verkabelung für mein neues Haus umzuschauen. Hier auf dem Land lohnt sich die Marktwirtschaft nur für Monopolisten. Der örtliche Handy-Monopolist heißt Verizon. Monatsgebühr bei Zweijahresvertrag: 60 Dollar. Anschluss und Gerät kommen noch dazu.

Verizon bietet seinen Handy-Kunden auch einen DSL-Anschluss an (für weitere 60 Dollar), aber kein Festnetz. Das gibt’s bei Qwest, der politisch korrekten Firma, die sich nach dem 11. September weigerte, ihre Kundendaten an die Überwachungsbehörden weiterzugeben. Kunden raten von Qwest ab, denn der Service soll gruselig schlecht sein. Dann besser Blackfoot Communications, eine örtliche Kooperative, die Festnetzanschluss und DSL im Paket verkauft. Kostenpunkt, mal raten? Na, 60 Dollar.

Von der Idee, die Internetverbindung über den Fernsehkabelanschluss herzustellen, war ich zu diesem Zeitpunkt schon abgekommen. Der einzige örtliche Anbieter kassiert für das doppelte Kabel nach einem anfänglichen Einstiegsnachlass rund 160 Dollar im Monat. Eine Zimmerantenne, mit der man immerhin drei Programme empfangen kann, kostet einmalig 20 Dollar. Schade ist’s um Top Chef und die Daily Show, aber dann gibt es ja noch die Nachbarn, bei denen man sich einladen kann. Fürs Telefon beiße ich die Zähne zusammen und beschränke mich auf Skype.

Einer der lieben Nachbarn hat es bis jetzt versäumt, sein WiFi zu verschlüsseln. Ihm ist es zu verdanken, dass ich meinen Blog aktualisieren kann, während ich mit mir ringe, 120 Dollar aufwärts im Monat für Telekommunikation auszugeben. Soviel an alle, die sich in Berlin über die Preise der Telekom beschweren. Erklärt mir mal, was hier das Problem ist: der Kapitalismus? Oder mein Geiz?

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